Epoche:
|
||||||||||||||
Frauenkirche1349-1357 |
||
| Die Entstehungsgeschichte der seit dem 19. Jahrhundert katholischen Pfarrkirche zu unserer lieben Frau am Hauptmarkt geht auf das Jahr 1349/50 zurück. Die gotische Hallenkirche wurde auf Veranlassung Kaiser Karls des IV. am Hauptmarkt errichtet, wo nach dem Judenpogrom im Jahre 1349 die jüdische Siedlung niedergerissen worden war. Der Bau mit dem Typus einer kaiserlichen Kapelle wurde nach vergleichsweise kurzer Bauzeit um 1357 fertiggestellt. Die Architektur wird Peter Parler zugeschrieben, auf den auch wesentliche Teile des Prager Veitsdoms zurückgehen. Kunsthistorisch zeigt sich hier die deutsche Sonderform der Gotik durch die Abkehr vom basilikalen Schema hin zur Hallenkirche. Die Tendenz zum Einheitsraum, der in der Renaissance seinen Durchbruch erlebt, ist bereits spürbar. |
|
|
|
Das sogenannte Männleinlaufen an der Fassade der Frauenkirche wurde 1509 zur Erinnerung an die goldene Bulle von 1356 eingebaut. Der Inhalt dieses Gesetzes – Bestimmungen über die Kaiserwahl – wird durch die sieben Kurfürsten veranschaulicht, die sich zu den Tönen des Glockenspiels vor dem Kaiser verneigen. Die kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung der Frauenkirche als Denkmal der Baukunst und des Selbstverständnisses des spätmittelalterlichen Kaisertums ist nicht zu überschätzen. In Hinblick auf die französische Königskapelle in Paris auf der Seine-Insel spricht man von der Nürnberger Frauenkirche auch als der "deutschen Sainte-Chapelle". Die Errichtung des Gotteshauses löste in Nürnberg einen Bauboom aus. |
|
|
***
Spezielle Literatur zur Frauenkirche:Blohm, Katharina, Die Frauenkirche in Nürnberg, Berlin 1993 | ||