Der Beginn der Renaissance als Ablösung des Mittelalters ist in
Nürnberg auf das zweite Drittel des 16. Jahrhunderts zu datieren.
Die Reichsstadt erlebte zur Zeit der Entdeckung Amerikas, noch
der mittelalterlichen Ordnung verhaftet, ihre höchste künstlerische
Blüte. Erst nach und nach konnten die Ideen der Wiederentdeckung
der klassischen Antike auch in Nürnberg Fuß fassen.
Daran waren wiederum vor allem die weitverzweigten Handelsbeziehungen
Nürnbergs beteiligt, denn neben reisenden Künstlern brachten Kaufleute aus Italien und
anderen europäischen Ländern die Eindrücke der dort bereits
errichteten Gebäude mit.
Mit den Bauern- und Markgrafenkriegen
um 1525 und 1550 war der Wechsel vom gotischen Stil in die Renaissance
in vollem Gange, wenn auch man sich in Nürnberg nicht radikal von
der mittelalterlichen Formensprache zu trennen vermochte. Im Detail finden sich aber
zahlreiche Hinweise auf die Renaissance, wie zum Beispiel Darstellungen antiker Sagen-
und Göttergestalten.
Im Renaissancestil entstand keine wesentliche Sakralarchitektur. Die Gesellschaft
war nicht mehr in mittelalterlichem religiösem Verständnis gebunden, und für große
Kirchenbauten waren auch kein Bedürfnis vorhanden. Zum anderen verschoben Reformation und
Wiederbelebung antiken Gedankenguts bauliche Prioritäten in den profanen Bereich.
Tugendbrunnen, 1584-89 von Benedikt Wurzelbauer im Auftrag des Rats gegossen
Bürgerhäuser
Nürnberg war berühmt für seine stattlichen und schönen Patrizierhäuser. Geschäftsleute, vor allem Händler, die reüssiert hatten, ließen in der Stadt äußerst prachtvolle
Bürgerhäuser errichten. Die Pracht entfaltete sich meist erst richtig zum Innenhof hin, auch weil die
Restriktionen beim Bauen wenig Spielraum für die Fassadengestaltung ließen. Allerdings wurden
die meisten der wertvollen Bauten im zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Schlimmste Verluste sind das
Toplerhaus und das Pellerhaus. Nur das Fembohaus ist wie durch ein Wunder vollständig erhalten geblieben.
Öffentliche Bauaufgaben
Nürnberg war zu Beginn der Renaissance eine der bevölkerungsreichsten deutschen
Städte und von erstrangiger politischer und künstlerischer Bedeutung. Dies wirkte sich
auch in der Architektur aus: im öffentlichen Bereich standen diverse Neubauten an, wie zum Beispiel
die Errichtung einiger neuer Dienstgebäude sowie die Verbesserung der Infrastruktur (Brücken).
Ferner beschloss man, die Stadtbefestigung entsprechend der Entwicklung der Waffentechnik zu verstärken.
Gänsemännchen von Pankraz Labenwolf, wohl um 1550 entstanden
Herrensitze
Die Nürnberger Herrensitze sind ein besonderer, die Stadt prägender Bautypus, der
die historischen Umstände widerspiegelt. Die Herrensitze der Renaissancezeit sind meist turmartig
proportioniert, was auf ihre Herkunft von den befestigten Sitzen des Mittelalters hindeutet. Nach Zerstörungen
während der Kriege im 15. und 16. Jahrhundert hatten die wirtschaftlich prosperierenden Familien Anlass,
die Herrensitze neu zu errichten. Die Nürnberger Herrensitze zählen zu der Gruppe der fränkischen Patrizierschlösser; insgesamt
hat es in Nürnberg Dutzende solcher Bauwerke gegeben. Etliche der Schlösser gingen infolge des Krieges verloren, aber auch heute
sind noch zahlreiche solcher Sitze vorhanden.
WWW-Verweise und Literaturhinweise
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