Epoche:
|
||||||||||||||||||||||||||
Ehemalige Gefällstelle1900 |
||
| Auch die Stadt Nürnberg selbst nutzte die moralisch-assoziative Aussagekraft des "Nürnberger Stils" für ihre Amtsgebäude. Nach nebenstehendem Entwurf erbaute die Stadt Nürnberg im Jahre 1900 an der Einfallstraße von Erlangen eine sogenannte Gefällstelle im "Neu-Nürnberger Stil". Solche Einrichtungen dienten der Vereinnahmung lokaler Abgaben ("Zölle"), die beim Betreten des Nürnberger Stadtgebietes fällig wurden. Daher existierten solche Einrichtungen an den Einfallstraßen der Stadt. |
|
|
|
Das hier gezeigte Haus hatte einen erdgeschossigen Kassenraum, der sich in einem Vorbau befand und nach außen durch ein großes, zur Straße zeigendes Fenster kenntlich war. Der Vorbau schiebt sich wie ein Riegel weit an die Straße vor, eine Geste, durch die der Zwang zum Anhalten und Bezahlen vermittelt wird. Die abgeschrägten Ecken des Vorbaues betonen die Ausrichtung zur Straße hin. Die feierliche Gestaltung des zugehörigen, wie ein mahnender Zeigefinger aufragenden Giebels zeigt die Wichtigkeit der hier stattfindenden Tätigkeit und symbolisiert Würde und Respekt vor der Obrigkeit. Aus heutiger Sicht empfindet man die Gestaltung eher als gewollte Beschönigung der gesetzlichen Zwänge – quasi ein gesungenes Gesetz. |
|
Zollhaus Thon in der Nachkriegszeit |
||
| Die Baugestaltung folgt Formen der Nürnberger Renaissance um 1600. Volumen und Anordnung der Baumassen mit dem spitzhelmbekrönten Treppenturm erinnern an einen der Herrensitze. Eine pittoreske Wirkung wird durch die zerklüftete Vielfalt der Dachformen erzielt. Die Beschwörung reichsstädtischen Selbstbewußtseins einhundert |
|
|
Das Haus wurde wegen Baufälligkeit und dem vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 4 Einige der Zollgebäude sind allerdings heute noch zu sehen, so am Mühlweg zwischen Wetzendorf und Poppenreuth sowie
Ehemaliges Zollhaus bei Wetzendorf (Mühlweg) |
Dabei muß das städtisch wirkende Haus zur Zeit seiner Erbauung – noch inmitten des Knoblauchslandes stehend, weit und breit von Äckern umgeben – wie ein Fremdkörper gewirkt haben. Hinzu kommt, daß die nächste Siedlung in Richtung Zentrum das etwa einen Kilometer entfernte Bauerndorf Thon mit seinen damals noch bestehenden urtümlichen Schwedenhäusern (vergleichbar nur noch mit dem kleineren Schwedenhaus in Großreuth h. d. V.) war. Auf dem nebenstehenden Plan ist die Gefällstelle in der linken oberen Ecke (Nordwesten) rot eingezeichnet.
Auch das malerische Zollhaus
Das Anwesen am Mühlweg liegt immer noch idyllisch am Ortsrand |
|